Das Zeitprogramm ist der Pförtner
Nachdem der Sollwert-Schreibtest kurz nach dem letzten Beitrag geklärt hatte, dass ExternalTargetOperationMode ohne Installateur-Freischaltung eine Einbahnstraße ist, blieb eine offene Frage: Was ist dann mit dem Warmwasser-Sollwert direkt? DID 0396, schreibbar ohne externe Freischaltung. Theoretisch der naheliegendste Weg, um bei PV-Überschuss etwas Brauchbares zu machen.
Also haben wir es ausprobiert.
Der Versuch
Speicher oben: 25 °C. Zeitprogramm: zufällig gerade zu. Sollwert per ESP von 50 auf 60 Grad hochgesetzt. Schreiben bestätigt, Wert liegt drin.
45 Sekunden lang passiert nichts.
Kein Verdichterstart, kein Statuswechsel. Ich kenne dieses Gefühl inzwischen — die WP hat etwas angenommen, und ich stehe ratlos da und warte. Diesmal war es aber anders: der Sollwert ist tatsächlich durchgekommen und gespeichert. Die WP hat ihn bekommen. Sie hat nur beschlossen, im Moment nichts damit anzufangen.
Der Unterschied: Das WW-Zeitprogramm war geschlossen. Warmwasser-Aufbereitung ist bei dieser Anlage über ein Zeitfenster gesteuert — außerhalb dieser Fenster lädt die WP grundsätzlich nicht, egal was der Sollwert sagt.
Der Pförtner
Marcus hat daraufhin das Zeitprogramm angepasst und das laufende Fenster etwas geöffnet. Die Reaktion war sofort: WW-Status auf Active, Modus Heizen, Verdichter läuft. Keine Verzögerung, keine Cloud-Verbindung nötig, kein weiterer Eingriff.
Das ist eigentlich die richtige Reihenfolge, wenn man es versteht: Der Sollwert sagt der WP, wann sie fertig sein soll. Das Zeitprogramm sagt ihr, wann sie überhaupt darf. Beides muss passen, dann läuft es. Fehlt eines der beiden, passiert nichts — aber es ist kein Fehler, es ist Logik.
Was das in der Praxis heißt: Für den PV-Überschuss-Fall ist der lokale Hebel der Sollwert. Wenn mehr Strom da ist als gebraucht wird, Sollwert rauf. Wenn das Zeitprogramm das gerade erlaubt, lädt die WP. Wenn nicht, lädt sie beim nächsten erlaubten Fenster — was oft sinnvoll ist, weil dann vielleicht wieder Sonne scheint.
Der direktere Eingriff — Einmalladung außerhalb des Zeitfensters, sofortiger Komfortmodus — ist der Teil, der noch auf die Installateur-Freischaltung oder den Cloud-Capture wartet. Den Sollwert-Weg haben wir. Er ist ein Angebot, kein Befehl. Aber er funktioniert.
Monitoring jetzt vollständig lokal
Parallel dazu: Die letzte Cloud-abhängige Monitoring-Größe ist seit diesem Tag lokal. Die Warmwassertemperatur, die bisher noch über die Hersteller-Cloud-Integration abgefragt wurde, kommt jetzt direkt vom ESP. Der entsprechende KNX-Wert auf dem Bus wird seither aus dem lokalen Sensor gespeist.
Das bedeutet: Lesen funktioniert komplett ohne Internet. Die WP-Außentemperatur, die Leistungswerte, der Puffer-Status, die Statistiken — alles lokal. Fällt die Cloud aus, gehen die Messwerte weiter.
Was noch Cloud-abhängig ist, sind zwei Schreiboperationen: Einmalladung und Komfortmodus-Aktivierung. Beides ist aktuell in der Hersteller-App möglich, lokal aber nur mit Installateur-Freischaltung machbar. Um das ohne Raten zu lösen, brauchen wir genau einen Moment, in dem die Cloud-Integration aufwacht und wir ihr dabei zuschauen können — Sniffer-Firmware rein, Button drücken, CAN-Frame mitschreiben, Wert verstehen.
Für diesen Moment läuft seit ein paar Tagen eine kleine Überwachungsautomation: Sie beobachtet die Cloud-Verbindung, und sobald sie wieder als erreichbar gilt, schickt sie eine Erinnerung. Selbstlöschend nach dem ersten Treffer, damit sie nicht wöchentlich nerft.
Was das praktisch heißt
Der aktuelle Stand: Warmwasser lässt sich lokal über den Sollwert beeinflussen, wenn das Zeitprogramm das erlaubt. Für eine Solar-Automation ist das ausreichend — Sollwert hochsetzen bei Überschuss, runterholen wenn die Sonne weg ist. Die WP macht das Rest nach ihrer eigenen Logik, was ehrlich gesagt nicht das Schlechteste ist.
Die vollständige lokale Steuerung — also auch Betriebsartenwechsel ohne Zeitprogramm-Abhängigkeit — steht noch aus. Aber der Weg dahin ist klarer als vorher.
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